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Zwischen Hügeln und High-Tech-Riesen

Was ich aus dem Silicon Valley auf jeden Fall gelernt habe … Okay aber jetzt noch mal ganz von vorne. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA veranstaltete zum vierten Mal eine Innovationsreise ins Silicon Valley. Das bedeutet, Kommunikationsagenturen und deren Kunden haben die Möglichkeit, mitzureisen und jedes Jahr neue, spannende Unternehmen zu besuchen. Und ja – ich war dabei. Nachdem wir bei all diesen innovativen, gigantischen Unternehmen waren und zahlreiche Vorträge gehört haben, könnte ich euch seitenlang erzählen, was ich alles mitnehme und was mich begeistert hat an der Reise. Da ihr aber sicher schon seitenweise Skripte lesen müsst, versuche ich mich auf das für mich Wichtigste zu beschränken.

Sharing is caring, also los geht´s!

Der Silicon-Valley-Mindset

Die schicken Sneaker und das lässige Shirt haben wir uns für den Büroalltag ja schon ganz gut aus dem Valley abgeguckt. Vielleicht könnten wir uns noch etwas mehr von der Fehlerkultur zu Herzen nehmen. Auch Frederik Pferdt, Evangelist Chief Innovator bei Google, sieht Fehler als Möglichkeiten für Innovatoren. Ob das bei eurem Professor/ eurer Professorin das nächste Mal funktioniert, kann ich nicht versprechen, aber zumindest kann man sich das selber ruhig mal sagen, wenn der „deutsche“ Perfektionismus wieder allzu stark zuschlägt. Hier muss ich mich ganz eindeutig selbst an der Nase packen und einfach mal über meinen Schatten springen. Riskieren und einfach mal drauf loslegen. Scheitern ist keine Schande, sondern die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen. Auch bei den Vorträgen des German Accelerator Tech wird deutlich, es gibt Unterschiede in der deutschgeprägten Kultur und Denkweise, speziell im Vergleich zum Silicon Valley. Die Deutschen streben schon zu Beginn nach Perfektion, im Silicon Valley probiert man auch einfach mal den nicht ganz perfekten Prototypen aus und verbessert dann weiter. Schnelligkeit kann oft auch ein entscheidender Vorteil sein. Die Unterschiede sollten nicht nach Kategorien, wie zum Beispiel besser oder schlechter bewertet werden, jedoch gibt es Voraussetzungen, die beispielsweise Startups fördern oder tendenziell eher hemmen. Etwas wagen, schnell und agil sein, all das sind wichtige Faktoren.

Hinterfragen und Verbessern

Sich selbst und seine Idee ständig hinterfragen, um sie zu verbessern. Außerdem das Umfeld hinzuziehen, um mit anderen über Probleme oder Bugs zu sprechen. Dies haben wir als Herangehensweise ebenfalls von Frederik Pferdt kennengelernt. Die Fehler können so im Kern identifiziert und eine mögliche Lösung gefunden werden. Oder einfach mal die Perspektive wechseln? Einen weiteren sehr interessanten Ansatz hierzu fand ich von Daniel Holle, Product Manager Project Loon. Sein Team und er haben zunächst versucht, einen bestimmten Ansatz zu wiederlegen und falls dies nicht gelingt, an diesem festzuhalten. Warum also nicht mal probieren, ein Problem oder Projekt von der anderen Seite anzugehen.

Stillstand bedeutet Rückschritt

Es scheint als müssten auch die High-Tech-Riesen wie Google, LinkedIn & Co. sich immer wieder mit neuen Erfindungen und Innovationen an die Spitze kämpfen. Das bedeutet niemals Stillstand, sondern ständiger Austausch und Veränderung.

Auch junge Talente spielen im Silicon Valley gleichermaßen eine wichtige Rolle, wie für Agenturen und Unternehmen in Deutschland auch. Uns fiel auf, dass bei Google in der Kantine der Altersdurchschnitt etwa bei 25 Jahren zu liegen schien. Neue Ideen vorantreiben und mutig nach vorne gehen, statt hinterher festzustellen, dass andere schon längst an einem vorbeigezogen sind. Attraktiv für Nachwuchstalente zu bleiben und Spitzenpersonal zu finden, ist nun mal auch im Silicon Valley harte Arbeit.  „Today´s Talent Market – It´s Though Out There!“ gibt Ernest Ng von Salesforce zu. Trotzdem sieht er genau dies als Möglichkeit und Herausforderung für Salesforce, Talente mit ansprechenden Erlebnissen zu begeistern und somit für sich zu gewinnen. Ein spannender Insight ist, dass Salesforce im Prinzip dieselben Tools für ihre Mitarbeiter anwendet, wie Kunden von Salesforce für ihr CRM.  Wer hätte das gedacht! Die eigene Unternehmenskultur und die Integration der Mitarbeiter werden hier großgeschrieben.

Big Tech Trends

Zeitalter der digitalen Assistenz, Machine Learning oder auch 5th Wave of Computing mit unsichtbaren Verbindungen in Objekten, wie Möbeln oder Kleidungsstücken. All diese Trends, die sich beim ersten Hinschauen ein wenig wie Science-Fiction anfühlen, sind teilweise schon Realität oder nicht mehr allzu weit entfernt. Auch im Umgang mit Daten und digitalen Entwicklungen gibt es Unterschiede bezogen auf die Einstellung und Denkweise der Gesellschaften. In Deutschland sind die Menschen tendenziell sehr kritisch und skeptisch gegenüber diesen neuen Möglichkeiten. In Amerika wird eher der positive Vorteil der Entwicklung zuerst betrachtet. Ich finde, es geht nicht darum, die verschiedenen Herangehensweisen zu bewerten, sondern für sich persönlich zu überlegen, wie man mit der Digitalisierung und den neuen Technologien umgehen möchte. Auch Dan Remsey sagt in seinem Vortrag über Machine Learning bei Google, man sollte wissen wie man die digitalen Fähigkeiten anwendet und mit ihnen arbeiten kann. Dr. Michael Trautmann, Chairman der Agentur thjnk, rät uns jungen Leuten und Studenten, das Studium nicht nur als eine Phase unseres Lebens zu sehen, sondern neugierig zu bleiben und ein Leben lang zu lernen. Vielleicht auch mal einen Kurs zu belegen, um die Hintergründe der digitalen Technologien und Entwicklungen besser verstehen zu können. Wichtig scheint es auf jeden Fall zu sein, am Ball zu bleiben und sich selbst immer wieder zu motivieren, Neues zu entdecken und zu lernen.

Mit all diesen Eindrücken, den faszinierenden Persönlichkeiten, Insights und Unternehmen, die ich in dieser Woche kennenlernen dufte, sitze ich mit einem freudigen Gefühl im Flieger Richtung Heimat. Nur noch wenige Minuten weg von Stuttgart. Motiviert, inspiriert und voller Tatendrang stelle ich mir vor, meinen Kollegen und Freunden von meinen Eindrücken zu berichten. Vielleicht springt hier und da ein kleiner Funken aus dem Tal der Täler über.

Eines ist mir nach dieser spannenden Tour auf jeden Fall klar geworden. Letztlich sind neben dem Standort immer auch die Menschen das Herzstück jeder einzelnen Idee und des Erfolges.

Mein Rat an euch, einfach mal ausprobieren! Gute Vorsätze darf man sich ruhig auch schon mal vor Silvester vornehmen.

Aexandra Zenleser gewann die gemeinsame Ausschreibung von audimax und dem Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA  zum „GWA Discoverer Silicon Valley“. Sie reiste vom 5. bis 11. Oktober ins Silicon Valley und besuchte zusammen mit den Teilnehmern der Innovationsreise Technologieunternehmen wie Google, LinkedIn und Salesforce.