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Welcher Studienfinanzierungstyp bist du?

Ein Studium kann Geld verschlingen. Damit du trotz Studiengebühren und hoher Miete entspannt über die Runden kommst, gibt es viele Finanzierungsmöglichkeiten. Aber: Nicht jede ist für jeden geeignet. Lies hier, welcher Finanzierungstyp du bist. 

Ein Studium ohne Geldsorgen – das ist für viele eher ein Wunschtraum. Stipendien zum Beispiel sind rar gesät – und außerdem keine Hängematte. Bei Studiengebühren und steigenden Lebensunterhaltskosten heißt es haushalten und an den richtigen Stellen sparen: etwa bei Eintrittskarten, Handytarifen und Zeitungsabos oder als BAföG-Empfänger bei den Rundfunkgebühren.

Um gezielt Geld in die Kasse zu kriegen, bietet sich – logisch – ein Nebenjob an. Vorausgesetzt, man hat Zeit dafür. Immer mehr Studenten entscheiden sich nach Information des Finanzberaters MLP für alternative Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Form von Studienbeitragsdarlehen, Studienkrediten, Bildungskrediten oder Bildungsfonds. Was sich hinter diesen trockenen Begriffen verbirgt? Hier steht’s:

Kredit fürs Studium: Studienbeitragsdarlehen

Sie sind für die Deckung von Studiengebühren gedacht. Die Rückzahlungsverpflichtung kann in manchen Bun­desländern wie in NRW für BAföG-Empfänger – je nach Laufzeit und BAföG-Höhe – ganz oder zum Teil wegfallen. In allen Ländern, die allgemeine Studienbeiträge eingeführt haben, dürfte der Bedarf an solchen Darlehen weiter recht hoch sein. Beantragen kannst du ein Studienbeitragsdarlehen bei der jeweiligen Hochschule.

Kredit fürs Studium: Bildungskredit

In bestimmten Phasen deines Studiums, zum Beispiel nach der Zwischenprüfung oder bei einem studienbezogenen Praktikum, kannst du über das Bundesverwaltungsamt einen Bildungskredit bei der KfW beantragen. Der Zinssatz ist variabel und wird jeweils zum 1. April und 1. Oktober dem europäischen Zinsbarometer entsprechend an­gepasst. Der Bildungskredit wird unabhängig von Vermögen oder Einkommen und bis zu einem Höchstbetrag von 7.200 Euro gewährt.

Kredit fürs Studium: Bildungsfonds

Bei einer erfolgreichen Bewerbung zahlst du nach dem Berufsstart für eine bestimmte Zeit einen vorher festgelegten Prozentsatz deines Bruttolohns an den Fonds zurück. Die Rückzahlungen sind gut kalkulierbar und schützen vor Überschuldung.

Für frühe Topverdiener gibt es aber auch Nachteile: »Wenn jemand direkt nach dem Studium einen Beraterposten bei einer Unternehmensberatung antritt, muss er vermutlich viel mehr zurückzahlen, als wenn er einen Studienkredit aufgenommen hätte«, wird Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) von der FAZ zitiert.

Klassiker: Studienkredite

Der KfW-Studienkredit ist der Klassiker. Er ist ein staatliches Angebot und wird über verschiedene Vertriebspartner der KfW vermittelt. Hierzu zählen einige Banken, die meisten Studentenwerke und MLP. Der KfW-Studienkredit hat eine Zinsobergrenze. Die Höhe richtet sich allerdings ähnlich wie beim Bildungskredit nach dem europäischen Zinsbarometer.

Auch private Banken bieten Studienkredite an. »Diese können von Vorteil sein, wenn sie zur Studiensituation und zu den individuellen Zielen passen«, erklärt Christian Stief, Leiter Finanzierung bei MLP. »Oft spielen dabei Kriterien wie Auslandssemester, Sonderzahlungen, rückzahlungsfreie Zeit, Akzeptanz bei nicht-staatlichen Hochschulen, Sonderaussetzungen oder ein Aufschub in der Tilgungsphase eine Rolle.«

Als fachspezifische Finanzierungsmodelle gibt es zum Beispiel für angehende Ingenieure den so genannten Festo Bildungsfonds oder die Studienkreditangebote der Apotheker- und Ärztebank, mit denen Medizin- und Pharmaziestudenten studienspezifische Leistungen erhalten, etwa den Betrag für die Ausstattung eines Klinikkoffers.

Welcher Finanzierungstyp bin ich denn nun?

Christian Stief rät zu einer sorgfältigen Ausgaben- und Einnahmenkalkulation, mit der du deinen Bedarf analysierst: »Dabei sind alle Finanzquellen wie BAföG, Unterstützung durch die Eltern, Stipendien oder Nebenjobs realistisch zu beziffern.«

Bei Finanzierungslücken sind alle Informationen zu den einzelnen Angeboten miteinander zu vergleichen. Dabei spielt der Zinssatz eine wichtige Rolle: Erhöhungen im derzeit historisch niedrigen Zinsniveau sollte man MLP zufolge einkalkulieren und daher auch ‘worst-case-Szenarien’ im Voraus durchspielen. »Eine vertragliche Zinsbindung oder eine Begrenzung des Zinssatzes schafft eine klare Kalkulationsgrundlage und Risikobegrenzung.«

Zu beachten sind auch die Ausgestaltung der Karenzzeit, eine mögliche Kombination mit BAföG, dein Maß an Flexibilität und Aspekte wie Fächerwechsel, Studienabbruch oder Zweitstudium. Und nicht zuletzt die Rückzahlungs- und die Auszahlungsdauer: »Das gesamte Studium sollte man auf keinen Fall per Kredit finanzieren«, rät Helga Springeneer, Finanzreferentin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin, auf Anfrage der FAZ. Zu groß ist ihrer Ansicht nach die Gefahr der Überschuldung. Besser also erst noch die Chancen auf einen staatlichen Zuschuss oder ein Stipendium prüfen.

Insgesamt solltest du dir bei der Entscheidung für ein Modell die Frage stellen: »Was bringt mir die Finanzierung, zum Beispiel durch einen Studienkredit?« Als ein Kriterium nennt Christian Stief die Einstiegserleichterung in den Wunschjob: »Eine Studiumsverlängerung zum Beispiel durch über­mäßige Nebentätigkeiten führt oft zu weniger Studienerfolg und zu einem späteren Berufseinstieg mit entsprechendem Jahresgehalt. Das kann erheblich teurer sein als die Kosten einer durchdachten Finanzierung.« Trotzdem kann natürlich auch ein Nebenjob hilfreich sein: wenn er dich Kontakte knüpfen und Erfahrungen machen lässt – und wenn du dich dadurch nicht verzettelst.